PREISTRÄGER

Torre Reforma
Mexiko-Stadt, Mexiko

Die charakteristische Fassade des Torre Reforma hat inmitten des Erdbeben-Risikogebiets Mexiko-Stadt mehr als nur ästhetische Gründe. Technisches Know-how und künstlerischer Anspruch haben gleichermaßen zu seiner einzigartigen Form beigetragen. Besonders deutlich wird dies in der Konzeption der zwei massiven Außenwände aus Sichtbeton. Zusammen mit der dritten, gläsernen Seite kreieren sie nicht nur einen äußerst ungewöhnlichen dreieckigen Grundriss, sondern sorgen auch für höchste Erdbebensicherheit.

Als solides Fundament reichen die Betonwände, in ihrer gesamten Breite von 1,20 Meter, 60 Meter in die Erde. Sie wurden im Bauprozess nach und nach gegossen: 70 Zentimeter pro Tag. Die Fugen zwischen den einzelnen Schichten dienen auch als Sollbruchstellen im Falle eines Erdbebens. Sie bieten den wirkenden Kräften einen Angriffspunkt, der die Statik nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus kann sich das Gebäude im Falle eines Erdbebens mitbewegen, weil große Öffnungen als „Knautschzonen“ aus den massiven Wänden ausgespart sind. Außerdem laufen die Stahlstreben, die die Geschosse tragen, vor der Glasfassade in beweglichen Gelenken zusammen. Während des schweren Erdbebens im September 2017 hat sich dieses Konzept bereits als wirkungsvoll erwiesen. Zurück blieben nur ein paar feine, ungefährliche Risse in den Betonfugen. 

Die verglaste Seite des Turms öffnet sich in ihrer gesamten Breite zum Stadtpark Bosque de Chapultepec. Sonnenblenden aus Aluminium ermöglichen den Einfall von Tageslicht ohne Aufheizen in der starken mexikanischen Sonne. An dieser Fassade lässt sich auch die Gliederung in Cluster von je vier Geschossen ablesen. Das ausgefeilte, außenliegende Tragwerk erlaubt, dass die Büroräume voll-kommen stützenfrei bleiben. Um zusätzliche Nutzfläche zu schaffen, sprengen die Geschosse an der Glasfassade das enge Korsett des Dreiecks. Die scheinbar ebene Fassade bildet nach vorne eine kaum wahrnehmbare vierte Ecke. Diese kragt mit zunehmender Höhe immer weiter aus, um die Fläche der attraktivsten, obersten Geschosse zu vergrößern.

Am Boden bezieht der Torre Reforma die angrenzende historische Villa mit ein, indem er zusammen mit ihr das öffentliche Foyer umschließt. In der Mitte des Gebäudes, gut erreichbar für alle Nutzer:innen, liegen die Terrasse, das Auditorium und die Konferenzräume.

Ab einer Höhe von 200 Metern knickt eine der beiden Betonwände auffällig nach innen ab. Grund dafür ist eine Bauvorschrift. Die Hochhäuser an der Prachtstraße Paseo de la Reforma dürfen maximal doppelt so hoch sein, wie die Straße breit ist. Darüber ist ein Rücksprung oder eine Verjüngung vorgegeben. Durch den kreativen Umgang des Architekten L. Benjamín Romano mit dieser Vorschrift ändert sich je nach Blickwinkel nicht nur die Materialität des Gebäudes, sondern auch seine skulpturale Form.

Ökologische Aspekte/Nachhaltigkeit
LEED-Platin-Zertifizierung; Verpflichtung  zur CO2-Neutralität bis 2030; Regen- und Abwasser werden ohne Abfluss in die städtische Kanalisation vollständig für die Kühltürme der Klimaanlage wiedergenutzt; Natürlich belüftete Patios und horizontale Sonnenblenden aus Aluminium verschatten die Glasfassade; Ein automatisches System parkt 480 Autos ohne Abgasausstoß; Das Parkhaus kann wegen der Geschosshöhe von drei Metern nach einer möglichen Verkehrswende in Büroflächen umgewandelt werden; Zur Optimierung der Energieeffizienz wird die Gebäudetechnik jedes Clusters einzeln überprüft: Stadtweit wurden als Bestandteil der Baugenehmigung 80.000 Bäume neu gepflanzt.

Torre Reforma
Mexiko-Stadt, Mexiko
Architektur
L. Benjamín
Romano,
Mexiko-Stadt,
Mexiko
Bauherr
Fondo Hexa, S.A. de C.V.
Funktion
Büros
Höhe
246 m
Fertigstellung
Dezember 2016
Best High-Rises 2018/19